Und plötzlich kippt das System.
Weitergedacht aus „Sklave des Systems?“
Nach dem Blick auf das System richtet sich der Blick diesmal nach innen.
Was nehme ich wahr, wenn ich nicht auf das System schaue, sondern auf mich?
Der Impuls zu diesem Beitrag kam aus einem Austausch mit Jay Ruben. Seine Frage „Wann kippt ein System eigentlich?“ ist bei mir hängen geblieben.

Was ist, wenn es gar nicht plötzlich kippt?
Was ist, wenn es längst zarte Signale gab, die ich nicht wahrgenommen habe?
Wenn eigentlich doch alles passt
Wahrscheinlich gab es bislang keinen wirklichen Grund, etwas infrage zu stellen.
Vielleicht ist das Heute sogar ziemlich genau das, was ich mir im Gestern gewünscht habe.
Denn vieles von dem, was heute selbstverständlich zu meinem Leben gehört, war früher mein Wunsch, ein Ziel oder eine bewusste Entscheidung. Vieles ist heute sogar genau so, wie ich es einmal ganz bewusst aufgebaut habe.
Also es ist doch alles in Ordnung. Eigentlich.
Wenn ich ziemlich genau dort angekommen bin, wo ich hinwollte, erübrigt sich doch im Grunde genau das: etwas infrage zu stellen.
Warum sollte man genauer hinsehen, wenn vieles läuft, Entscheidungen ganz bewusst getroffen wurden und das eigene Leben ziemlich nah an dem ist, was man sich früher einmal vorgestellt hat?
Nicht alles, was sich zeigt, bekommt sofort unsere Aufmerksamkeit.
Wie ist es, wenn ich für einen Moment nicht nur darauf schaue, ob es in meinen Gedanken passt, sondern kurz in meine Herzgegend hineinspüre?
Fühlt es sich noch stimmig an – wohlig, gut, vielleicht sogar richtig? Oder taucht da dieses leise „Hm …“ auf, das sich gedanklich gar nicht so recht begründen lässt?
Vielleicht nur für einen Augenblick, lediglich als kleiner Gedanke oder eine kurze Irritation, die auftaucht und genauso schnell wieder in den Hintergrund rückt.
Vielleicht bleibt maximal der Gedanke: Komisch.
Der Fokus liegt häufig genau dort, wo gerade etwas passiert: Bei Menschen, Aufgaben, Gesprächen, Plänen – dem Alltag. Im Außen.
Und genau dabei kann aus dem Blick geraten, wie es mir heute mit all dem eigentlich geht.
Doch was ist, wenn sich längst etwas bemerkbar gemacht hat?
Lange bevor etwas kippt
Vielleicht beginnt ein System nicht dort zu kippen, wo etwas offensichtlich nicht mehr funktioniert, sondern bereits viel früher. Dort, wo etwas, das lange selbstverständlich gepasst hat, sich nicht mehr ganz so selbstverständlich anfühlt.
Vielleicht ist es anfangs so leise, dass es von außen niemand bemerken würde.
Denn es muss nicht immer gleich der große Knall oder die sprichwörtliche Pfanne auf dem Kopf sein. Es ist vielleicht überhaupt nichts Großes oder Existenzielles.
Was ist, wenn etwas entstehen und beobachtet werden kann – lange bevor ein System überhaupt kippen muss?
Dabei können kleine, beinahe belanglose Fragen helfen – als eine Art Sonar, wie Jay das Bild aufgreift, oder als kurzer Qualitätscheck:
Wie fühlt es sich für mich an?
Ist es noch stimmig?
Fühlt es sich noch gut an?
Vielleicht reicht es erst einmal, einfach wieder kurz in sich hineinzuspüren. Ohne Bewertung. Ohne Muss. Nur wahrnehmen.
Nur kurz den Fokus nicht nur im Außen lassen, sondern ihn auch wieder auf mich richten.
Denn etwas muss nicht erst genug Gewicht bekommen, bevor ich ihm Bedeutung schenke.
Wenn aus dem kleinen "Hm ..." irgendwann eine Frage wird, die Sie genauer betrachten möchten, finden Sie hier mein Coaching-Angebot.



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